Eisenach 2008
"Bitte bilden Sie Fahrgemeinschaften!" lautete eine der einleitenden Zeilen der Einladung zum ersten Alumni-Treffen der BA-Melle in Eisenach - und sogleich sorgten 4 Ehemalige des fünften Jahrganges mit dem Entschluss für Aufsehen, im ausgewachsenen Sechsmann-Reisemobil an den Start zu gehen. Der Kontakt zu einem Hersteller machte dies möglich.
Ähnlich repräsentativ wollte daraufhin auch ein Absolvent des zweiten Jahrganges die Produkte seines Arbeitgebers in Szene setzen. Die Grundidee, die Reise im firmeneigenen Eckunterschrank anzutreten, verlief jedoch im Sande. Es wurde letztendlich auf ein konventionelles, im Raum Wolfsburg entstandenes Fortbewegungsmittel zurückgegriffen.
Nach Ankunft und Einchecken in einem überaus einladenden und stimmungsvollen Hotel wurde der Donnerstagabend in der gemütlichen Atmosphäre der Hotelbar verbracht. Die bis dato angereisten 15 Teilnehmer - weitere sollten später dazustoßen - kamen schnell ins Gespräch und man war bald über berufliches und privates der Gesprächspartner auf dem Laufenden.
So kam zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf - auch und vor allem nicht auf Seiten der "stets bemühten" Service-Mitarbeiterinnen.
Der Freitag startete mit einem sehr guten und umfangreichen Frühstück und stand ab 9.00 Uhr ganz im Zeichen der geplanten Werksbesichtigungen.
Den Anfang machte die BMW Fahrzeugtechnik GmbH, Hersteller von Presswerkzeugen für Karosserieteile in der Autoindustrie.
Der sehr auskunftsfreudige Fertigungsleiter führte die holzverarbeitenden Besucher routiniert durch alle wichtigen Bereiche der Produktion und ließ dabei fast keine Frage unbeantwortet. Der ca. dreistündige Rundgang ermöglichte Einblicke in eine - fertigungstechnisch betrachtet - andere Welt. Nachhaltige Eindrücke hinterließen vor allem Werkstückgewichte jenseits von 20 Tonnen, Bearbeitungsdrehzahlen, die an Vorschubgeschwindigkeiten in der heimischen Möbelindustrie erinnerten und Fertigungszyklen im Bereich Te = 1 St/Jahr.
Im Vergleich ein geradezu meditatives Umfeld, betrachtet man demgegenüber einen "Output" z.B. im Mitnahmemöbelbereich von bis zu 16 Möbel/min (Küchen-, Schlaf- und Büro- sowie Campingmöbler können abweichen).
Nach einer improvisierten Mittagspause und Elsässer Flammkuchen lautete das nächste Ziel Firma Pollmeier Massivholz GmbH & Co. KG.
Der Buchenholzverarbeiter in Creuzburg beschäftigt ca. 400 Mitarbeiter und produziert ca. 800 m³ Schnittholz pro Tag.
Dementsprechend hinterließ auch der zweite Ortstermin beeindruckte Gesichter bei den Besuchern. Die Besichtigung begann im Rundholz- bzw. Nasslager unter freiem Himmel, führte durchs Sägewerk und die Schleifbearbeitung vorbei an Dämpf- und Trocknungsanlagen bis zur Endsortierung und ins Fertiglager. Aufmerksamkeit erregten immer wieder Abläufe von besonderem technischen Know-How, die jedoch zu einem auffallend hohen Anteil von menschlicher Beurteilung und manuellem Eingreifen abhängen.
Als eines der besten Beispiele dafür bleibt wohl die Besäumungsanlage in Erinnerung. In atemberaubender Geschwindigkeit steuert ein Maschinenbediener per Joystick den Zuschnitt jedes einzelnen Rundholzes.
Nach einem kurzen Einblick in die Firmen- und Fertigungsphilosophie der Firma Pollmeier wird deutlich, dass nur so ein Qualitätsstandard erreicht wird, der bei einem höheren Automatisierungsgrad nicht möglich wäre.
Zentrale Qualitätssicherungsstelle sind die sogenannten Grader. Diese sorgen durch manuellen Eingriff und extrem geschulten Blick dafür, dass jedes Buchenbrett eindeutig beurteilt und einem Qualitätslevel zugeordnet wird - und tragen damit den Qualitätsgedanken und das Image des gesamten Betriebes nach außen.
Die Besichtigung endete nach ca. 3 - 4 Stunden im sehenswerten Showroom im Verwaltungsgebäude der Firma Pollmeier.
Das Abendprogramm wurde dann mit Haxen, Würzfleisch und einigem Deftigen mehr im Gewölbekeller des Augustiner Bräu Eisenach eingeleitet. Die hier geschaffene Grundlage sollte sich im weiteren Verlauf des Abends bezahlt machen - schließlich führte der Weg durchs nächtliche Eisenach noch an einem Irish Pub und dem mehr oder weniger berüchtigten "The Beach" vorbei. Einer eher kleinen Disco, die durch echtes Strandfeeling inklusive Sand in den Schuhen besticht.
Der Samstagmorgen begann mit dem gleichen reichhaltigen und hervorragenden Frühstück wie am Tag zuvor - jedoch nicht für alle Tagungsteilnehmer. Der Vorabend forderte seinen Tribut. Mangels Anwesenheit und aufgrund der allgemeinen Verfassung derer, die den harten Weg zum Frühstück auf sich genommen hatten verschob sich der erste Teil des geplanten Brainstormings um ca. anderthalb Stunden.
Die folgenden Stunden verliefen dagegen bei fast vollständiger Besetzung äußerst produktiv.
Im Rückblick auf das absolvierte Studium und die bereits gesammelten Berufserfahrungen wurde das neue Curriculum, Weiterbildungsbedarf sowie der Aufbau eines Alumni Netzwerkes der BA-Melle diskutiert. Letzteres wurde anschließend direkt in Angriff genommen, indem eine Tätigkeitsliste mit konkreten Aufgaben und Terminen erstellt wurde.
Daraus die wichtigsten Punkte:
- Aufbau einer Kontaktdatenbank
- Planung des nächsten Alumni-Treffens
- Einrichtung eines regelmäßigen Stammtisches
Ein Resümee:
Das Alumni Netzwerk der BA Melle entsteht. Der Bedarf ist zweifellos vorhanden, der Wunsch nach Austausch von Wissen, Kompetenz und auch Hilfe ist da - das hat schon die Anmeldeliste für Eisenach, die Tagung selbst und vor allem der Samstagmorgen gezeigt. Herausgekommen ist eine sehr gelungene und wiederholenswerte Fahrt, die neben viel Spaß und neuen Eindrücken auch einen Aufbruch zu bieten hatte. Das Interesse und das Engagement aller Teilnehmer lässt sehr zuversichtlich in die Zukunft schauen und macht Lust auf mehr.
Es ist ein gutes Gefühl, bei der Grundsteinlegung dabei gewesen zu sein.
Euer
Daniel Weinert
















